SIP-Trunk statt ISDN: Was Betriebe wissen müssen
Wer eine Telefonanlage betreibt, hängt sie heute per Internetprotokoll ans Telefonnetz. Was ein SIP-Trunk ist, wie viele Gespräche gleichzeitig möglich sind, was er bei der Telekom kostet und was vor dem Wechsel zu klären ist.
· Verantwortlich: Marc Splingard, Inhaber
Ein SIP-Trunk ersetzt den ISDN-Anlagenanschluss: Ihre Telefonanlage bleibt, nur die Verbindung zum Telefonnetz läuft über das Internetprotokoll. Gebucht werden nicht mehr Leitungen, sondern gleichzeitige Gespräche und Rufnummern.
Was ist ein SIP-Trunk?
Die Verbindung, über die eine Telefonanlage ans öffentliche Telefonnetz angeschlossen ist. Früher war das ein ISDN-Anlagenanschluss, heute ist es ein IP-Anschluss: Die Gespräche laufen als Datenpakete, der Anbieter schaltet sie ins Telefonnetz durch. „SIP“ steht für das Session Initiation Protocol, das Verfahren, mit dem Gespräche aufgebaut werden.
Die Telefonanlage selbst steht weiter bei Ihnen im Betrieb, oder sie läuft in der Cloud. Der Trunk ist nur der Weg nach draußen. Das unterscheidet ihn von der Cloud-Telefonanlage, die wir im Beitrag Telefonanlage in die Cloud behandeln.
Was ist aus ISDN geworden?
Bei der Telekom ist ISDN Geschichte. Nach Darstellung des Fachportals teltarif.de hat die Telekom die Umstellung auf All-IP bis Ende 2020 durchgeführt; damit gebe es in Deutschland quasi keine funktionierenden Analog- oder ISDN-Anschlüsse mehr. Für Vodafone und o2 nennen wir hier keine Termine: Welche Anschlusstechnik bei Ihnen läuft, steht in Ihrem Vertrag.
Für Ihre Anlage heißt das: Sie hängt an einem IP-Anschluss. Ob sie das Protokoll SIP selbst versteht oder über einen Adapter angebunden ist, steht im Datenblatt des Herstellers. Die Telekom schreibt zu ihrem eigenen SIP-Trunk, die bestehende Telefonanlage lasse sich weiternutzen; bei vorhandener Telekom-Hardware genüge meist ein Software-Update.
Wie viele Gespräche gleichzeitig? Kanäle und Rufnummern
Bei ISDN war die Zahl der Gespräche durch die Leitung vorgegeben. Ein Basisanschluss hat zwei Kanäle, ein Primärmultiplexanschluss 30 Nutzkanäle, und der ist nur als Anlagenanschluss für Telefonanlagen erhältlich. Beim SIP-Trunk buchen Sie die Zahl der parallelen Gespräche, und sie lässt sich ändern.
Beim Telekom-Produkt CompanyFlex SIP-Trunk sind zwei parallele Gespräche inklusive, bis zu 998 weitere lassen sich einzeln zubuchen. Bei mehreren Standorten können sich die Standorte die gebuchten Gespräche teilen. Rufnummern gibt es als Durchwahl- oder Einzelrufnummern; ein Rufnummernblock lässt sich auf mehrere Telefonanlagen aufteilen.
Gezählt wird nicht die Zahl der Telefone, sondern die Zahl der Gespräche, die zur Stoßzeit gleichzeitig laufen. Zählen Sie nach, wie viele das an einem normalen Montagmorgen sind. Die Leitung muss sie tragen können; wie man das bemisst, steht im Beitrag Wie viel Bandbreite ein Betrieb wirklich braucht.
Was kostet ein SIP-Trunk bei der Telekom?
Die Telekom nennt für CompanyFlex SIP-Trunk drei Tarife (CompanyFlex Germany, Flat und Basic), Stand Januar 2026, Preise netto zuzüglich Umsatzsteuer, jeweils mit Durchwahlnummern:
| Tarif | Leistung | Preis ab |
|---|---|---|
| Germany | Flatrate ins deutsche Festnetz und in die deutschen Mobilfunknetze | 64,95 € im Monat |
| Flat | Festnetz-Flatrate in Deutschland und 18 weitere Länder | 54,95 € im Monat |
| Basic | Abrechnung nach Verbrauch, Festnetz 2,4 Cent je Minute | 44,95 € im Monat |
Bei Germany und Flat beträgt die Mindestvertragslaufzeit zwei Jahre, bei Basic gibt es nach Angabe der Telekom keine Laufzeitbindung; die Kündigungsfrist beträgt jeweils einen Monat.
Die Preise setzen sich aus einem Grundpaket (36, 26 oder 16 €) und einem Standortprodukt (28,95 €) zusammen. Im Standortprodukt sind die zwei Gespräche, ein Internetzugang mit 16 Mbit/s und eine feste IP-Adresse enthalten. Schnellere Internetzugänge bis 2.000 Mbit/s kosten extra und hängen von der Verfügbarkeit am Standort ab. Zusätzliche Gespräche und weitere Zubuchoptionen stehen in der Leistungsbeschreibung der Telekom; Preise dafür nennen wir nicht, weil wir sie nicht geprüft haben.
Auch andere Anbieter verkaufen SIP-Trunks. Deren Preise haben wir für diesen Beitrag nicht erhoben. Was an Ihrer Adresse gilt, zeigt erst ein Angebot für diesen Standort.
Das Vorgängerprodukt der Telekom hieß DeutschlandLAN SIP-Trunk. Die Telekom hat Kunden in einem Flyer von Oktober 2023 zum Wechsel auf CompanyFlex eingeladen; DeutschlandLAN SIP-Trunk sei „bald Vergangenheit“.
Was Sie vor dem Wechsel klären sollten
- Die Anlage. Versteht sie SIP, oder braucht sie einen Adapter? Fragen Sie den Hersteller oder den Betreuer der Anlage, bevor Sie einen Vertrag unterschreiben.
- Die Gespräche. Wie viele laufen zur Stoßzeit gleichzeitig? Buchen Sie nach dieser Zahl, nicht nach der Zahl der Telefone.
- Die Rufnummern. Stellen Sie eine Liste aller Rufnummern und Durchwahlen auf, auch der Nummern, die niemand mehr nutzt. Beim Wechsel darf keine davon verloren gehen.
- Den Anschluss. Der Trunk läuft über Ihren Internetanschluss, bei der Telekom ist ein Zugang im Standortprodukt enthalten. Prüfen Sie, ob die zugesagte Bandbreite für Telefonie und alles andere reicht.
- Den Notruf. Anbieter müssen Notrufe unter 110 und 112 zur örtlich zuständigen Abfragestelle durchstellen und Informationen zum Standort übermitteln, so die Bundesnetzagentur. Das setzt voraus, dass die Standortangabe zu Ihrem Anschluss stimmt. Prüfen Sie sie nach jedem Umzug und bei jedem neuen Standort.
- Den Strom. Analog- und ISDN-Anschlüsse wurden über die Leitung gespeist, das Telefon funktionierte deshalb auch bei Stromausfall. Dieser Vorteil ist laut teltarif.de mit All-IP weggefallen; Telefone ohne eigenes Netzteil beziehen ihren Strom jetzt aus dem Router. Klären Sie, was in Ihrem Betrieb bei einem Stromausfall noch erreichbar ist, und halten Sie ein Handy für den Notruf bereit.
- Den Ausfall. Die Telekom bietet eine redundante Anbindung an: Fällt ein Anschluss aus, schaltet die Plattform auf den zweiten IP-Anschluss um. Die Entstörung innerhalb von acht Stunden ist inklusive, ausgenommen sind Anschlüsse in Glasfaser-Kooperationsgebieten.
- Was noch an der Anlage hängt. Fax, Alarmanlage, Notrufanlage im Aufzug, Kartenterminal: Listen Sie alles auf, was heute eine Telefonleitung nutzt, und fragen Sie bei jedem Gerät, ob es mit IP funktioniert.
Für wen sich der Wechsel lohnt, und für wen nicht
Er lohnt sich, wenn Ihr Betrieb mehrere Standorte hat und sich Gespräche und Rufnummern teilen soll, wenn der Gesprächsbedarf schwankt oder wenn die Anlage ohnehin ersetzt wird. Dann ist der Trunk der Weg, die Anlage zu behalten oder später in die Cloud zu verlegen. Die Telekom wirbt damit, dass sich beides mischen lässt.
Er lohnt sich nicht, wenn Ihr Anschluss läuft, die Kosten stimmen und niemand ein Problem damit hat. Dann gibt es keinen Grund, jetzt zu wechseln. Sinnvoll ist, das Vertragsende im Blick zu behalten.
Was wir tun
Telefonanlagen richten wir derzeit nicht ein. Den Anschluss aber prüfen wir, und an ihm entscheidet sich die Frage meistens. Mehr dazu auf der Seite zu Glasfaser und Geschäftsanschluss. Wie Sie uns erreichen, steht unter Support. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.
Quellen
- Telekom Deutschland GmbH, Produktflyer „CompanyFlex SIP-Trunk“, Stand 01/2026 (gültig ab 26.02.2026), geschaeftskunden.telekom.de, abgerufen am 04.11.2026
- Telekom Deutschland GmbH, Flyer „Aus DeutschlandLAN SIP-Trunk wird CompanyFlex“, Stand 10/2023, geschaeftskunden.telekom.de, abgerufen am 04.11.2026
- teltarif.de, „Das war die All-IP-Umstellung der Telekom“, teltarif.de, abgerufen am 04.11.2026
- Wikipedia, „Integrated Services Digital Network“ (Abschnitte Basisanschluss und Primärmultiplexanschluss), de.wikipedia.org, abgerufen am 04.11.2026
- Bundesnetzagentur, „110 und 112“, bundesnetzagentur.de, abgerufen am 04.11.2026
Zahlen und Fristen altern. Wenn Sie etwas davon für eine Entscheidung brauchen, fragen Sie uns — wir sehen vor der Antwort noch einmal nach.